STRATEGIE
& PRAXIS

Kollaboration

Camp#1 kann im Rückblick als ein Anstossmoment für Projekte ausserhalb des Formats – wie «Zollhaus» (u.a. mit Prisca Wüst), «Trink-Theke» (Lukas Geisseler), «Neubad» (Patrick Rohner) – betrachtet werden, da viele des Core Teams anschliessend oder parallel in artist run spaces oder kollaborative Projekte gegangen sind. Umgekehrt brachte es soviele Netzwerke ins Museum wie kein Camp# nachher: Die Performer Antipro, das Pattern Project, Zettelwirtschaft …

«Mein Interesse bei Camp#1 war: Wie sind nicht-hierarchische künstlerisch-vermittelnde Produktionsprozesse möglich? Und zwar in einem Feld, das explizit nicht objektfixiert ist, sondern im Sinne von Maurice Blanchots «entwerkter Gesellschaft» funktioniert – sprich performativ.»

(Sabine Gebhardt Fink)

Stephan Wittmer und Lukas Geisseler beim Verpacken eines visuell prägenden Elements von Camp#1 – dem Zelt.

Bedürfnis und Motivation

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Prisca Wüst leitet auf der Bühne die Stretchingphase des Public Workouts an, im Vordergrund wartet ein reichhaltiges Buffet auf den nächsten Anlass. Der Holzkasten auf Rädern ist Lukas Geisselers Trink-Theke mit kleinstmöglicher Kochplatte, die er innerhalb von Camp#1 auf ihr Potenzial als mobile Diskurs-Bar überprüft.

Entsteht ein Vermittlungsangebot nur, weil aus institutionellen Gründen bestimmte (neue) Zielgruppen angesprochen werden müssen, dann wirkt das Angebot unglaubwürdig. Wenn hingegen ein wirkliches Interesse an Kunst und Sichtweisen besteht, kann Neues entstehen.

Setzungen

«Im Sommer noch wollten wir eine Hütte bauen aus Dachlatten und Hasendraht. Tatsächlich wird es eine Bühne, eine Art doppelter Boden, ein zweiter Stock aus einem Baugerüst und Verschalungsbrettern. Das gemeinsame Aufstellen, Schrauben, Platzieren und Einrichten ist wichtig. Etwas zusammen herstellen.»

(Susanne Kudorfer)

PRAXIS

Formate

Camp#1 bestand aus unserer bühnenartigen Installation, einem Projektblog, dem Open Classroom. Innerhalb des sogenannten Co-Work Schuppens wurden zahlreiche niederschwellige Vermittlungsangebote und -projekte im Sinne der künstlerischen Grundsätze von Paul Thek durchgeführt.

Wöchentliche Versammlungen

Konstituierend waren bei jedem Camp# der Zeitpunkt und die lange Laufzeit. In Camp#1 etablierte sich, dass wir uns jeweils einen Nachmittag pro Woche über ein Semester hinweg trafen. Gleichzeitig war die Offenheit des Camp# ein zentrales Moment: Was die Studierenden ansprechen und mit welchen Medien und Vermittlungsmethoden sie arbeiten wollten, wurde, in Anlehnung an Camp#1, jeweils von Jahr zu Jahr anders definiert.

Kunst-Recycling: Der japanische Künstler Noriyuki Kiguchi entwickelte mit dem Carry-Out-Project #6 das grösstmögliche Objekt, welches gerade noch durch die Ausstellungsräume und das Foyer des KML passte. Zusammen mit Freiwilligen wurde es im Zuge der Museumsnacht aus dem Museum herausbefördert. In seine Einzelteile zerlegt, diente es uns als modulare Sitzbank für den Open Classroom und andere Versammlungen.

Öffentliche Theorie-Foren

Einmal im Monat wurde in den Räumen der Ausstellung eine Diskussion mit einem zufälligen Museumspublikum geführt. Die Texte wurden im Sinne eines Close Reading gemeinsam vor Ort gelesen und besprochen – jeder war kompetent, immer aus der Perspektive seines gegenwärtigen Wissens. In den folgenden Camp-Ausgaben benannten wir dieses Format um in Open Classroom.

Co-Working Space

Willkommen in der Zettelwirtschaft. So oft und so viel wie bei Camp#1 wurde nie wieder in den Museumsräumen gegessen und getrunken.

Projekte und Initiativen:

  • Das Kollektiv Antipro nutzt den Raum unter der Bühne einen halben Tag lang als öffentliches Sitzungszimmer.
  • Beim Juvenal Public Workout joggt Prisca Wüst mit Freunden durch die Räumlichkeiten des Museums.
  • The Pattern Project (Janine Häberle, Kaj Lehmann, Simon Rüegg) zeichnet unter Einbezug anwesender BesucherInnen sowie geladener Gäste kollektive Muster.
  • Stephan Wittmer hält die erste Redaktionssitzung seiner Kunstzeitschrift _957 ab, dazu gibt’s Kaffee und Kuchen.
  • In der Zettelwirtschaft finden Texte und Bilder aus den Beständen von Eva-Maria Knüsel und Andrea Portmann zusammen.
  • Lukas Geisseler lanciert seine Trink-Theke.
  • Das Triplestep Tanzcafé lädt zu Tanz, Musik und Heiterkeit.
  • Zum Schluss steigt die Wissenschaftsparty – Diskurs, Analyse und Palaver mit Musik, Essen und Bar, open end! Die Macher des Camp# resümieren über den gemeinsamen Arbeitsprozess.
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Mitziehen oder zuschauen bei Kaffee und Tee. Lukas Geisseler hinter seiner Trink-Theke beim Tanz-Café-Anlass von Triple Step in den Museumsräumen.