STRATEGIE & PRAXIS

Böcklin? Ah cool!

Bei einem ersten Treffen in den Ausstellungsräumen brachten wir Auszüge des Webbeschriebs des Kunstmuseums mit. Nach der Lektüre waren alle auf die Kinderportraits gespannt. Formulierungen wie «die grossen Fragen des Lebens» oder «Wer sind wir, woher kommen wir» evozierten hingegen eher Abwehr und erschienen Einzelnen zu aufgesetzt. Wir fragten uns, ab wann ein Mensch «Eingeborener» ist und fanden diese Zuschreibung nicht nur im Museumskontext problematisch. Das Foto von Rondinones Maske weckte bei Patrik Zumbühl die Assoziation zu einem «Urton» und machte Lust, Bilder mit Tönen zu verbinden, Verkettungen und Abläufe zu generieren. Es fiel das Stichwort «Leute von heute» und bei Julia Bolli entstand das Bedürfnis, Akt-Modelle ins Museum einzuladen, um diese inmitten der Ausstellungsstücke zu zeichnen. Das Thema der Gegenüberstellung ganz allgemein war zentrales Motiv vieler Ideen und erster Ansätze.

img_9494
Ein erstes Treffen im Museum fördert Ideen und Assoziationen zu Tage. Nicht alle bergen gleich viel Potenzial, die gesamte Camp#4-Gruppe zu begeistern, aber das Thema des Blickes beschäftigt alle.

Klare Handlungsanweisungen

Für die Zeichnungssessions formulierten die Studierenden klare Abläufe und Handlungsanweisungen. Alle ZeichnerInnen schwärmten zur fix abgemachten Zeit aus. Der gewählte Stift und der Karton in Postkartenformat beeinflussten den Stil der Zeichnungen massgeblich mit. Der Entscheid, einen Absenderstempel auf der Rückseite der Karte zu platzieren, verdeutlichte den Rahmen und den Kontext. Die Performances dauerten jeweils eine Stunde. Während dieser Zeit wurde nicht gesprochen. Fragte ein Besucher/eine Besucherin explizit nach der Zeichnung, durfte er oder sie die Karte behalten. Die Zeichnung war in diesem Fall wortlos auszuhändigen.

«Das Format der Performance fand ich sehr stimmig, weil wir so als Zeichnerinnen eine Doppelrolle belegen konnten: Einerseits sind wir Beobachterinnen, die mit ihren Blicken zugreifen. Andererseits sind wir selbst ausgestellt. Den Museumsgästen geht es gleich: Sie haben bezahlt, um Werke zu betrachten, und werden nun selbst zum Studienobjekt. Diese ambivalente Rollenverteilung passt meiner Ansicht nach zu der Infragestellung oder Thematisierung des hegemonialen Blicks.»

(Auszug aus der Reflexion von Leila Zimmermann)

FORMATE

Ich sehe dich – Zeichnungsperformances in verschiedenen Sessions und Settings

Sechs ZeichnerInnen schwärmen zu einem festgelegten Zeitpunkt aus und positionieren sich in je einem der Räume. Betritt ein Besucher/eine Besucherin den Raum, werden wir in maximal zwei Minuten Portraits mit schwarzem Edding auf graue Karton-Postkarten skizzieren. (In Aktion: Leila Zimmermann)

Die BesucherInnen finden sich in der Ausstellung von Angesicht zu Angesicht auf Augenhöhe mit verschiedenen Exponaten. Der Titel impliziert einen Blick, der den BetrachterInnen der Bilder entgegenkommt und sie studiert, so wie sie die Bilder studieren. In einer Zeichnungsperformance wird dieser Blick zeichnerisch festgehalten. Die RezipientInnen sind nicht nur Beobachtende der Kunstwerke, sondern werden selbst zum betrachteten Subjekt.

(Aus dem Konzept der Studierenden)

Blitzportraits von Besucherinnen und Besuchern
Bei den Blitz-Portraits fokussieren wir uns auf ein prägendes Merkmal im Bereich Kopf/Gesicht. Der dicke Filzstift hält zu Einfachheit und Essenz an. Jede fertige Zeichnung wird in einem Kreis um den Hocker auf dem Boden abgelegt. Die Performance dauert eine Stunde. Es wird nicht gesprochen. (Aus dem Konzept der Studierenden. Im Bild: Julia Bolli)

«Wir brechen auf und verlassen die Museumsräume. Mit Museumsklappstuhl, Edding 3000 und den grauen Karton-Postkarten ausgerüstet, zieht es uns weiter Richtung Vorplatz des KKL. Wir zeichnen PassantInnen, die an uns vorbeigehen und dann doch stehen bleiben, um sich mit der fremden Situation vertraut zu machen.»

(Auszug aus der Reflexion von Patrik Zumbühl)

Bodybuilding – Kunst am Körper

Geplant war eine öffentlich angekündigte Begegnung von Camp#-Mitinitiantin und Kunstvermittlerin Susanne Kudorfer mit Jörg Scheller, dem Kunstwissenschaftler, der seine Doktorarbeit über die Ästhetik des Bodybuildings schrieb. Gemeinsam mit der Camp#4-Crew und dem Publikum wollten wir plaudern sowie eine ebenfalls eingeladene Bodybuilderin, die vor oder neben den Ausstellungsstücken posierte, zeichnen. Zuerst fand sich trotz grösster Bemühungen keine weibliche Athletin und leider war Jörg Scheller kurzfristig verhindert. Um an diesem Abend trotzdem ein Diskussionsfeld eröffnen zu können, galt es zu improvisieren, und so beamten wir Youtube-Clips von Bodybuildern auf der Wettkampfbühne an freie Wandflächen.

Open Classroom

Dorian Gray – Von einem Bildnis zum Selbstbildnis:

Thematisch zur Ausstellung lesen wir Textauszüge aus Oscar Wildes «The Picture of Dorian Gray». Der Roman wurde erstmals 1890 publiziert und spielt in gehobener viktorianischer Gesellschaft, die eine Tradition repräsentativer Portrait-Malerei kennt. Zugleich gibt es zu der Zeit aber bereits die Möglichkeit der Fotografie. Einige Aspekte daraus werden anschliessend in Bezug auf verschiedene Exponate der Ausstellung diskutiert und überprüft. So zum Beispiel die Funktionen des Portraits an sich oder die Haltung des Künstlers/der Künstlerin gegenüber seiner/der Kunst und seinem Modell.

(Aus dem Konzept der Studierenden)