KON-TEXTE

Produktionsbedingungen

Ausgehend von den Überlegungen der Cultural Studies war es uns ein Anliegen, die Produktionsbedingungen im Feld der Kunst und in der Vermittlung mitzudenken und sichtbar zu machen.

Vereinzelt gemeinsam – In kontemplativen Zwischenmomenten hängen wir unseren Gedanken und Ideen nach. (V.l.n.r.: Susanne Kudorfer im Spiegel, Patrick Rohner, Alexandra D'Incau, Prisca Wüst. Foto: S. Wittmer)

Raum

Jedes Camp# produzierte unterschiedliche Raumsituationen. Baulich und im Handeln. Die Überschreibung und Neubesetzung des Raums als zentrales Moment ist inspiriert von Susan Sontags Text «Notes on Camp», 1964, in dem es um abweichende Blicke auf Normen oder Vorstellungen geht. 

«Insgesamt ist der Raum ein Ort, mit dem man etwas macht.»

(Michel de Certeau – 2006)

Die Höhe nutzen! Das Kunstmuseum Luzern befindet sich auf der 4. Etage des von Jean Nouvel erbauten Gebäudekomplexes. TeilnehmerInnen von Camp#2 lassen auf Papierfliegern notierte Gedanken und Assoziationen zu Werken der Ausstellung «Neunzehnhundertsiebzig» von der Aussichtsterrasse des Kunst- und Kongresszentrums fliegen.

Öffentlichkeiten

Ansicht mit zwei Löchern zur Durchsicht führt manchmal zu Übersicht – Bei Camp# steht nicht primär die Punktlandung im Zentrum, es darf vielschichtig improvisiert und ausprobiert werden.

Sowohl das Format wie die Webseite Camp# versucht, verschiedene Aspekte und Ebenen von Öffentlichkeit zu verhandeln und zu integrieren. Beide fungieren als Netzwerk und Dialog-Raum zwischen verschiedenen AkteurInnen. Uns ist wichtig, wo und wann immer möglich aktuelle Debatten aufzunehmen. Camp# ist stets auch Labor!

On Site – Das Zusammenspiel von Zeit und Ort

«Für mich war Camp# ein Rahmen, um neue Kunstvermittlungsformate zu entwickeln und zwar mit Studierenden zusammen. Fix waren die Faktoren und der Zeitpunkt – jeweils ein Nachmittag pro Woche während eines Semesters.»

(Susanne Kudorfer)

Wen und was es braucht, ist immer wieder neu zu verhandeln. Die Schilfpflanze wirkt beruhigend und sorgte für willkommene Materialität und Wohnlichkeit im grossen kargen Raum. In der Natur sind die Halme effektive Wasserreiniger. Ihr Vorkommen führt aber auch zur Verlandung von Gewässern. (Foto: S. Wittmer)

DISKURSE

Normen und Strukturen

Public Workout im Museumsfoyer
Camp# bietet Raum für Gedanken, Experimente und Prozesse – immer mit der Absicht, Neues zu wagen, Dialoge und Teilnahme zu initiieren.

«Bei Camp#4 sah man dann den Vorteil einer langfristigen Kooperation: Die Studierenden organisierten sich mit den Leuten an der Kasse und der Aufsicht selber, ich musste nicht immer anwesend sein und alle Kommunikationen begleiten. Es gab keine Unklarheiten mehr, weil etwas Eingespieltes und Vertrautes entstanden war.»

(Susanne Kudorfer)

Ein- und Ausschlüsse

«Mich interessiert die unterschiedliche Zugänglichkeit von Räumen, Handlungen und Aktionen. So bedeutet für uns die Camp#-Bühne mit Sicherheit was anderes als für die BesucherInnen. Inwiefern und wem entzog sie sich, war sie kryptisch und schwer fassbar? Und was passierte da eigentlich an «anderem», als dies im Rahmen einer gängigeren Ausstellungsvermittlung ansonsten der Fall ist? Wozu führte der Einbezug der eingeladenen Gruppierungen, die den Raum weiter bespielt haben?»

(Alexandra D’Incau)

Künstlerische und
kunstdidaktische Praxen

«Der kritische Prozess in einer nachmodernen und ausserhalb bürgerlicher Parameter situierten öffentlichen Kommunikation muss – aus unserer Sicht – aktuell auch von künstlerisch-kunstdidaktischen Praxen geleistet werden. […] Der Fokus derartiger Vorgehensweisen liegt auf Partizipation an und selbstermächtigtem Nutzungsverhalten in Institutionen und Staatsapparaten – also auf Strategien der Aneignung teilöffentlicher Zonen und Abweichungen von hegemonialen Wissensdiskursen.»

(Gebardt Fink et al., «Art Teaching als kritische Praxis», in: «What’s next?», München 2015)

Bei Filzkissen muss ich immer an Beuys denken. Für manche wirkt der institutionelle Rahmen abstossend. Andere haben Lust, ihn zu nutzen, ihn zu verwerten oder zu unterlaufen.
Ist es Zufall oder Absicht, dass unser Arbeitssetting aus Camp#1 an Da Vincis Abendmahl erinnert? (Foto: S. Wittmer)